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veröffentlicht am 12.11.2017 / geändert am 13.11.2017

Hamelner Bildungskongress: Der Weg zu einer modernen Schule der Gegenwart und Zukunft UPDATE

Mit zahlreichen Erwartungen, Ideen und einem großen Fundus an persönlichen Berufserfahrungen im Gepäck sind am vergangenen Wochenende 550 Pädagoginnen und Pädagogen aus dem gesamten Bundesgebiet angereist, um am Hamelner Schiller-Gymnasium zu einem Bildungskongress zusammenzukommen. Der Frage danach, wie Schule sich verändert und wandeln sollte, wurde sich angenommen und bevor Experten aus Bildungswissenschaft und -theorie in Workshops und Vorträgen gehört wurden, kamen diejenigen zu Wort, die täglich ganz praktisch erfahren, woran eine gute Schule zu erkennen ist: Die Schülerinnen und Schüler.
 
Es sagte einmal jemand, dass derjenige, der Visionen hat, zum Arzt gehen solle. Das mag in Einzelfällen stimmen, wenn es aber darum geht, schrankenlos zu formulieren, wie ein Ideal aussehen kann, ist diese Symptomatik äußerst erwünscht. So wurden auch die 150 Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Jahrgänge und Schulformen in ihrer Konferenz, die der Tagung der Lehrerinnen und Lehrer am Schiller-Gymnasium vorausgegangen ist, auf die Gedankenreise geschickt, um in einer freien Konferenzform, der Open-Space-Methode, ihre Vorstellungen einer idealen Schule zu formulieren. „Hier kann jeder einen Beitrag leisten, denn ihr seid die Experten, leitete Sascha Sommer, der sonst im NDR Radio durch das Programm führt, als Moderator die Konferenz ein. Wolfgang Endres, der seitens des Beltz-Verlages gemeinsam mit dem Schiller-Gymnasium den Kongress organisierte, fügte hinzu: „Es entsteht alles bei euch“.
Und es entstand viel. Von der direkten Bedürfnisäußerung nach mehr Sportunterricht – vielleicht spiegelt sich hier der häufig festgestellte Bewegungsmangel – bis hin zur größeren Idee einer Reform der Stundentafel hin zu mehr individuellen Wahlmöglichkeiten zeigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie interessiert sie daran sind, ihren Lehrerinnen und Lehrern konkrete Impulse aus ihrer Perspektive für den Bildungskongress mitzugeben. „Vor allem die freie Form hat dazu geführt, dass wir auf ganz neue Gedanken gekommen sind“, schildert Nele Bösing, Zehntklässlerin des Schiller-Gymnasiums ihren Eindruck und Helge Arnemann,  Schulsprecher der Handelslehranstalt, fasst zusammen: „Ich bin begeistert, wie motiviert und interessiert wir zusammengearbeitet haben und wünsche mir mehr davon.“ Genügend Material also, mit dem sich die tagenden Pädagogen auseinandersetzen konnten.

Am Freitag Nachmittag wurde dann der Bildungskongress als eine Gemeinschaftsveranstaltung des Beltz-Forums und des Schiller-Gymnasiums eröffnet. Für das Gymnasium war dieses Wochenende ein weiterer feierlicher Höhepunkt im Jubiläumsjahr „1025 Jahre Schulgeschichte und 150 Jahre Gymnasium“. Die Veranstaltung fand zum vierten Mal in Hameln in Zusammenarbeit mit Beltz statt und zahlreiche Gäste wie Landrat Tjark Bartels und Stadträtin Martina Kurt-Harms überbrachten Grußworte. In seiner Ansprache plädierte Bartels zunächst für mehr Gelassenheit auf Seiten von Eltern und Lehrkräften im schulischen Alltag, bevor der Hauptvortrag von Prof. Dr. Jens Weidner von der Universität Hamburg zum Thema Optimismus fünf unterschiedliche Typen von Optimisten kategorisierte und die These aufstellte, dass Menschen durch positives Denken Kraft aufbringen können, Neues auszuprobieren, trotzdem sie auch immer mal wieder Niederlagen erleiden.
In zahlreichen Vorträgen, Workshops und Foren wurden daraufhin dieses und andere Themen rund um Schul- und Unterrichtsentwicklung vertieft. In einem World-Café sprachen die Pädagogen unterschiedlicher Schulformen über den „Lehrer der Zukunft“ oder die „Interessen von Jungen und Mädchen im Unterricht“. Der Abend wurde abgerundet von einem geselligen Abend mit musikalischer Begleitung durch die Paedagogian Harmonists.
Die Themen des Kongresses zeigten sich breit gefächert: Von Maike Plath, die als Autorin und Theaterpädagogin arbeitet, konnte man „Regieanweisungen“ für eine gelingende Kommunikation im Klassenzimmer bekommen. Gabriele Brakemeier und Hartwig Henke informierten über die Arbeit von multiprofessionellen Teams in Schulen und stellten die Idee und Umsetzung des Vereins SAM aus Hameln dar. Darüber hinaus wurden Themen wie Migration und Bildung, Selbstwirksamkeitstraining und Self-Monitoring, also das Reflektieren über Lernen, diskutiert.

Und natürlich wurden die Ergebnisse des Schülerforums vom Vortag von Lehrerinnen und Lehrern interessiert betrachtet und besprochen. Über den Fingerabdruck der Kultur auf jedes Individuum und die daraus abzuleitenden Folgen für die pädagogische Arbeit mit Menschen anderer Kulturkreise referierte der Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Prof. Dr. med. Joachim Bauer, in einem Abschlussvortrag, dem die zahlreichen Teilnehmer gespannt folgten. So kam es an diesen Tagen im Rahmen des Bildungskongresses nicht nur zu einem Nachdenken über relevante Themen von Bildung und Schule, sondern auch zu einem regen Austausch zwischen Schülern, Lehrern und Wissenschaftlern.
Und wie geht es nun weiter mit all den Ergebnissen, den Ideen davon, wie Schule in Zukunft gestalten werden kann? Der Schulleiter des Schiller-Gymnasiums, Andreas Jungnitz, dazu: „Wir verstetigen, was gut ist, halten die Impulse und Ideen der Schülerinnen und Schüler sowie die Ergebnisse des Lehrerkongresses fest, konkretisieren sie und ziehen sie immer dann hinzu, wenn wir den Weg, auf dem sich das Schiller-Gymnasium befindet, weiter gehen und unsere Schule für die Zukunft gestalten."

Schüler diskutieren beim Open Space über "Schule der Zukunft"
                                 
                                           


Eindrücke der Workshops und Vorträge





Schulleiter Jungnitz, seine Stellvertreterin Meier-Hoenicke und Kongressleiter Wolfgang Endres



Paedagogian Harmonists im Abendprogramm


Fotos: A. Jungnitz, A. Waltemode, I. Bode

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